Corona Update

Auch wenn Neuseeland am anderen Ende der Welt liegt sind wir hier leider nicht von Corona verschon geblieben. Eigentlich sollte ich jetzt grade 2 Wochen zusammen mit meinem Papa im Camper auf der Südinsel herumreisen und mir die Landschaft anschauen. In der Realität bin ich aber bei meiner Family in Auckland und schreibe diesen Blog.

Als am 28.2. der erste Fall in Neuseeland bestätigt wurde war das für viele hier erstmal ein bisschen schwer zu begreifen. Normalerweise muss Neuseeland sich nicht mit solchen Dingen beschäftigen, da die isolierte Lage am anderen Ende der Welt davor schützt. Durch die Globalisierung und damit verbundene Reiseaktivität auf der ganzen Welt, welche noch nie so groß war, hat sich aber auch dieses Privileg erledigt.

Zum Glück wird hier schnell auf die Situation reagiert und gehandelt anstatt ewig zu diskutieren, was die Situation nur schlimmer macht. Eine Woche später gab es 4 bestätigte Fälle und die Woche darauf insgesamt 6. Nicht viele würde man jetzt sagen und kein Grund zur Panik, wenn man sieht, dass es zu dem Zeitpunkt weltweit schon mehr als 100.000 Fälle gab.

In Italien wird sich währenddessen auf einen Lockdown vorbereitet, der dann auch am 10.3. im ganzen Land stattfindet. Hier werden währenddessen schon größere Veranstaltungen abgesagt wie das Pasifika Festival, welches schon letztes Jahr durch das Christchurch Attentat ausfallen musste. Und das, obwohl es zu dem Zeitpunkt „erst“ 6 bestätigte Fälle hier gibt.

Ich wollte das gesamte Wochenende eigentlich entspannt auf Waiheke Island verbringen. Lotte und ich hatten eine Weintour gebucht und wollten nochmal die letzten warmen Sommertage im Meer nutzen und Fahrradfahren. Daraus wurde dann aber nicht wirklich was, nachdem ich Samstagnachmittag nach der Weintour die Nachricht von meinem Papa bekam und auch selber die neusten Entwicklungen zum Thema Corona gelesen habe: Ab Sonntag, 15.3. um 23:59 Uhr müssen Alle, die nach Neuseeland kommen (ausgeschlossen Reisende von den pazifischen Inseln), sich für 14 Tage in Selbstisolierung begeben. Nach der Nachricht war der Samstag und auch der Rest unseres Waiheke Trips nicht mehr so entspannt wie geplant, aber wir waren da und hatten immerhin eine schöne Weintour.

Mein Papa sollte eigentlich erst Mittwochs in Auckland landen und wollte sich bis dahin noch ein paar nette Tage in Singapur machen. Daraus wurde dann aber nix, da Selbstisolierung so garnicht in unseren Reiseplan passte. Zum Glück hat er noch einen (völlig überteuerten) Flug bekommen und ist dann schon Sonntagmittag in Auckland gelandet – 3 Tage vor geplanter Zeit aber zum Glück vor der Selbstisolierungszeit.

Während in Europa Corona eine Party nach dem anderen feiert und auch Frankreich und Spanien in den Lockdown gehen, werden auch in Neuseeland harte Maßnahmen getroffen. Alle Touristen, die sich nicht an die Selbstisolierungsregel halten, werden deportiert. Auch in Deutschland werden die Grenzen geschlossen aber im Land selber passiert währenddessen noch nicht wirklich viel…

In meiner Family haben wir uns währenddessen jeden Abend gefühlt mindestens eine Stunde über das Thema Corona unterhalten. Irgendwann konnte ich das Thema wirklich nicht mehr hören denn niemand spricht mehr über etwas anderes. Zu dem Zeitpunkt haben wir aber auch noch Witze darüber gemacht, wie es wäre wenn es in NZ einen Lockdown geben würde und wir 4 Wochen mit den Jungs im Haus „eingesperrt“ wären. Leider sollte das kein Witz bleiben…

Dadurch, dass weltweit immer mehr Grenzen geschlossen werden reisen natürlich auch immer mehr Neuseeländer zurück in ihre Heimat. Dabei kommen natürlich auch einige mit Virus zurück und stecken dabei direkt noch andere an… Am Donnerstag den 19.3. gibt es hier insgesamt 28 bestätigte Fälle und die Regierung verkündet, dass von nun an die Grenzen geschlossen sind und niemand, außer neuseeländische und dauerhafte Staatsbürger, mehr einreisen darf. Außerdem sollen ALLE, die in den letzten 14 Tagen nach Neuseeland eingereist sind, sich selber isolieren.

Auf die Südinsel zu fliegen fällt wohl nicht unter Selbstisolierung und so sind Papa und ich Samstags mit einem mulmigen Gefühl zum Flughafen gefahren. Zum Glück hat uns aber keiner gefragt, wie lange wir schon in Neuseeland sind oder wollte unsere Pässe sehen. Immerhin war es auch nur ein Inlandsflug. So sind wir gut in Christchurch gelandet und konnten unseren Camper abholen.

Bis dahin wurden im ganzen Land schon viele öffentliche Einrichtungen geschlossen und alle haben auf das tägliche 13:00 Uhr Statement der Premierministerin Jacinda Ardern gewartet, bei dem das weitere Vorgehen erläutert werden sollte. Das Ergebnis des Updates war, dass es insgesamt 52 bestätigte Fälle in Neuseeland gibt, Leute über 70 zuhause bleiben sollen, die Menschen wenn möglich im Home-Office arbeiten und Reisen aufs nötigste beschränkt werden sollen sowie ein 4 stufiges Alarmsystem für Corona eingeführt wurde.

Zu dem Zeitpunkt befand sich Neuseeland in Level 2, also alles soweit noch normal bis auf die zuvor erwähnten Grenzschließungen. Das sollte sich aber 2 Tage später ändern, als Montagmittag Neuseeland mit sofortiger Wirkung auf Level 3 gehoben und sich ab Mittwoch 23:59 Uhr in Level 4 befinden sollte. Montag gab es 102 bestätigte Fälle und zu dem Zeitpunkt wurden schon die gleichen Maßnahmen getroffen wie in Deutschland bei einer Fallzahl von über 20.000… Das hatte aber zur Folge, dass ab Dienstag alle Schule, Kindergärten und nicht-essenzielle Geschäfte geschlossen hatten und unser Camper zurückgerufen wurde. Da in Level 3 alle nicht wichtigen Reisen unerlaubt waren, wozu leider auch die Urlaubsreise im Campervan gehört, waren wir dazu aufgefordert unseren Camper sofort zurück zubringen.

Das war dann also das Ende unser eigentlich 2wöchigen Reise nach grade mal 3 Tagen. Der erste Plan war, dass mein Papa am 6.4. zurückfliegt. Freitags haben wir einen Flug für den 4.4. gebucht und Sonntags einen Flug für den 3.4., da der Flug für den 4.4. schon gecancelt wurde. Nach den Nachrichten am Montag haben wir direkt versucht einen Flug für den nächsten Tag zu buchen und zu meinem Glück hab auch ich direkt einen Rückflug für mich nach Auckland gebucht. Eine halbe Stunde später war kein einziger Flug mehr für die kommenden Tage mehr verfügbar.

Mit den gebuchten Flügen hatten wir dann zumindest noch einen halbwegs entspannten Rest-Montag. Bis dann Dienstagmorgen die Nachricht kam, dass Teile des Flugs meines Papas verschoben wurden und er somit den Anschlussflug nicht hätte erreichen können. Wir sind dann zum Flughafen gefahren, um dort nach ewigem Hin und Her zu erfahren, dass der Flug, den mein Papa eine halbe Stunde zuvor gebucht hatte, nur australische Staatsbürger mitnehmen würde, um diese nach Hause zu bringen. Das Problem ist, dass immer mehr Länder ihre Flughäfen schließen und auch die Transitzonen nicht mehr betretbar sind, sodass mein Papa zu damaligem Stand gar nicht in Australien hätte einreisen können. Auch nicht zum Transit (die Regelung wurde kurze Zeit später auf Donnerstag 23:59 Uhr anstatt Dienstag 23:59 Uhr verschoben). Also hatte mein Papa dann doch keinen Rückflug nach Deutschland mehr und es gab auch keine buchbaren Flüge für einen späteren Zeitpunkt mehr.

Die einzige Hoffnung war/ ist das Rückholprogramm der deutschen Regierung. Wahrscheinlich habt ihr mittlerweile auch alle vom ELEFAND gehört, der „elektronischen Erfassung im Ausland lebender Deutschen“. Dies Seite ist wahrscheinlich genauso alt wie das Internet selber und dank der super funktionierenden deutschen Technik hat die Seite bis Sonntagabend nicht vernünftig funktioniert und ist stattdessen ständig abgestürzt. Daraufhin wurde dann zusammen mit SAP die Seite/App „Rückholprogramm“ ins Leben gerufen. Dort sollen sich alle Deutschen registrieren, die sich im Ausland befinden und zurückgeholt werden wollen, wenn es keinen anderen Weg des Heimflugs gibt. Diese Seite hat eindeutig besser funktioniert und so gab es wenigstens einen Funken Hoffnung, nachdem die deutsche Botschaft am Sonntagabend verkündet hatte, dass eine Rückholaktion für Neuseeland in Planung wäre.

Ich bin dann Dienstagabend wieder zurück nach Hause zu meiner Family in Auckland geflogen und hatte ein mulmiges Gefühl dabei meinen Papa alleine in Christchurch zu lassen. Immerhin hatten wir geklärt, dass er den Camper nicht direkt zurückgeben muss, wenn er ihn zu Isolationszwecken braucht, und ein Airbnb bis Freitag gefunden, sodass er zumindest eine warme Unterkunft mit Dusche und Wlan hatte. Schließlich haben auch alle Campingplätze weitestgehend geschlossen. Außerdem kam kurz nachdem wir uns für die nächsten 118 Tage verabschiedet hatten die Nachricht, dass der erste Rückflug Samstagmorgen von Auckland aus starten sollte. Es gab also wirklich Hoffnung.

Außerdem wurde Donnerstag bekannt gegeben, dass die deutsche Botschaft mit Air Newzealand, einer neuseeländischen Fluggesellschaft, vereinbart hat, dass diese weitere Rückholflüge nach Deutschland fliegen sollen, um im Gegenzug dann Neuseeländer in Europa nach hause hohlen zu können. Die ersten Flüge waren schon für Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag geplant, als dann 24 Stunden später die Nachricht kam, dass die neuseeländische Regierung diese Pläne erstmal aufgehoben hat. Der Grund ist, dass die Gefahr wohl zu groß sei, dass die in ganz Neuseeland verteilten Touristen bei der Anreise zum Flughafen als potentielle Virenschleudern zu viele Menschen anstecken könnten. Meine Vermutung war schon, dass die Regierung die Touristen hier lassen will, damit sie erstmal schön weiter Unterkünfte buchen müssen und somit zumindest ein bisschen Geld in den Tourismus fließt… Wie auch immer, auf jeden Fall ist jetzt erstmal ungewiss, wann die nächsten Rückflüge stattfinden und so lange heißt es wohl geduldig sein und warten. Ab Freitag 23:59 Uhr wurden übrigens auch alle nationalen öffentlichen Verkehrsverbindungen wie Flüge, Busse und Bahnen lahmgelegt, sodass es für alle hier schwierig ist sich ohne Auto in einem weiteren Umkreis zu bewegen.

Meine Family hatte mir angeboten, dass ich zusammen mit meinem Papa einen Rückflug nach Deutschland nehme und könnten mich da auch total verstehen. Trotzdem waren sie ziemlich froh als ich ihnen gesagt habe, dass ich im Moment keinen Grund sehe nach Deutschland zurück zufliegen, da dort die Situation die gleiche ist und stattdessen bei ihnen bleibe. Schließlich möchte ich noch meine Möglichkeiten nutzen dieses Land zu erkunden und mein Jahr vernünftig abschließen. Außerdem habe ich das Gefühl hier hilfreicher zu sein und mehr bewirken zu können als in Deutschland. Schließlich sind wir im Moment alle in der gleichen Situation, die für alle neu ist und somit müssen sich alle neu daran gewöhnen und versuchen das Beste draus zu machen.

Wie gehts jetzt weiter? Zwar hab ich mich für das Rückholprogramm registriert, aber zum jetzigen Stand (und ich wüsste auch nicht, wieso es sich ändern sollte) werde ich das Angebot nicht annehmen, Falls es irgendwann eins gibt, und stattdessen wie geplant bis (mindestens) Mitte Juli hier bleiben. Da Schule und Kindergärten geschlossen sind und alle im Homeoffice arbeiten sollen sind wir jetzt alle 5 zuhause. Da die Eltern beide noch arbeiten müssen versuchen wir uns den Tag mit den Kids aufzuteilen, damit ich nicht die ganze Arbeit habe. Außerdem haben wir trotzdem noch eine relativ feste Alltagsstruktur, was vor Allem für die Kids extrem wichtig ist. So frühstücken wir morgens ganz normal um 7:30 (oder etwas später), dann macht Tim die Jungs fertig und dreht eine große Runde mit dem Roller, damit die Kids schonmal ein bisschen ausgepowert sind. Irgendwann zwischen 9&10 Uhr übernehme ich dann die Kinderbespaßung, sodass beide Eltern mehr oder weniger in Ruhe arbeiten können. Beide haben sich ihr Homeoffice eingerichtet, einer im Schlafzimmer und einer am großen Esszimmertisch. Zwischen 13&14 Uhr essen wir dann gemeinsam zu Mittag und dann bin ich noch bis ca 16 Uhr für die Kids zuständig, manchmal länger manchmal kürzer.

Da wir zuhause bleiben müssen und auch keine Einrichtungen auf haben heißt es die Kinder anderweitig zu beschäftigen. Wir haben uns dann überlegt, dass wir jeden Wochentag ein anderes Thema haben, zu dem die Jungs (und teilweise auch wir) uns dann passend anziehen und Aktivitäten machen. Der erste Tag war Hilf-Anderen-Tag, an dem die Jungs Bilder für Freunde gemalt haben die dann per Whatsapp verschickt wurden. Donnerstag war dann Piratentag und wir haben ein Piratenschiff gebaut und eine Schatzsuche gemacht. Für den Freitag hatten wir Thema Rockstar geplant, der aber nicht wirklich rockstarmäßig war. Wir haben viel mehr gemalt und Lego gebaut aber dann wird der Rockstartag irgendwann nachgeholt. Mal schauen was wir noch so für Ideen für die nächsten mindestens 4 Wochen haben. Hier wird übrigens auch schon eher mit 2-3 Monaten gerechnet.

Bis jetzt komme ich mit der Situation und der Regelung ganz gut klar. Wenn ich durch bin mit Jungsbespaßen geh ich eine Runde joggen und genieße mehr oder weniger die Zeit für mich, wobei Corona Nachrichten lesen nicht so viel Spaß macht. Dafür habe ich aber das Podcast hören (wieder) für mich entdeckt. Außerdem skype ich eigentlich täglich mit irgendjemandem, da im Moment alle Zeit dafür haben und zuhause sitzen und sowieso niemand so richtig was vor hat. Meine Family hat mir auch angeboten einen eigenen Fernseher in meinem Zimmer zu installieren, aber da ich ja der größte Fernsehgucker aller Zeit bin hab ich das mal dankend abgelehnt.

Irgendwie vergeht die Zeit trotzdem wie im Flug hier und man kommt nicht zu wirklich irgendwas. Aber ich arbeite ja auch noch quasi normal, sodass ich nicht wirklich zu irgendwas komme, wozu ich vorher nicht wirklich Zeit hatte. Deshalb weiß ich auch noch nicht, ob es was wird den Blog mal ein bisschen aufzuholen. Aber ihr werdet es ja sehen bzw. lesen. Ich bin jetzt erstmal gespannt, wie das Wochenende wird. Ich werde berichten.

Wie geht es euch so? Was macht ihr den ganzen Tag und habt ihr schon sowas wie einen Quarantänealltag entwickelt? Wer muss/kann im Homeoffice arbeiten und wie läuft das so?Da jetzt ja alle irgendwie mehr Zeit haben würde ich mich freuen, wenn ihr euch mal meldet.

Machts gut und passt auf euch auf. Und bleibt natürlich gesund, wie man in diesen Zeiten nicht vergessen darf.

Eure Ann-Ka

Ein Kommentar zu „Corona Update

  1. Eine sehr schöne (oder eher traurige) Zusammenfassung unserer gemeinsamen Tage auf der Südinsel. Mal sehen wie lange ich noch hier bleiben muss. Ist ein bisschen langweilig in einem der schönsten Länder der Welt nur im Zimmer zu hocken.
    Bin trotzdem froh, bei dir gewesen zu sein – und auch diese Zeit werden wir bestimmt nicht vergessen.

    Gefällt 1 Person

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