Tongariro Crossing (1.0)

Wer sich vielleicht daran erinnert weiß, dass ich das Tongariro Crossing (bis jetzt) zwei Mal gemacht habe. Das zweite Mal mit Mama und Elisa auf unserer Nordinselrundreise und das erste Mal nur knapp 5 Wochen zuvor, am ersten Adventswochenende. Damit wir weiterhin alle zusammen in Gedanken reisen können reisen wir 6 Monate in die Vergangenheit und machen gedanklich das Crossing einmal alle zusammen.

Das Tongariro Crossing gehört zu einer der bekanntesten Wanderungen in Neuseeland und wird jährlich von ca. 60.000 Wanderern besucht. Er gehört auch eindeutig zu den Dingen, die man gemacht haben muss, wenn man hier war und so konnte ich mir es natürlich nicht nehmen lassen selber die Erfahrung zu machen. Zufälligerweise habe ich in der Coffeegroup jemanden gefunden, der genau die gleiche Idee hatte un mit zwei weiteren Mädels haben wir dann unseren Trip geplant. Übrigens waren wir nicht nur Deutsche sondern auch 2 Schwedinnen, sodass unsere Kommunikation auf Englisch stattfand. So hatte ich am Ende des Wochenendes wieder das Gefühl, dass sich mein Englisch ein bisschen verbessert hatte.

Wie sich herausstellte war unsere Reisegruppe nicht wirklich planungs- und entscheidungsfreudig, was die Planung und Orgaisation doch etwas schwierig, anstrengend und nervig gemacht hat. Am Ende haben wir aber dann doch ein Hostel gebucht, ein Auto und Fahrer gefunden und das Essen organisiert, sodass ich mich doch auf den Trip freuen konnte.

Los ging es dann Freitagsabends nach der Arbeit. Nachdem wir alle eingesammelt hatten ging es gegen 18:30 Uhr dann wirklich los, was leider auch genau die Uhrzeit des Feierabendverkehrs war. So haben wir für die Strecke normale Strecke von 4 Stunden am Ende fast 5 gebraucht. Da wir am ersten Adventswochenende unterwegs waren haben wir entschieden, dass es spätestens ab da Zeit war Weihnachtsmusik zu hören. Bei 23° Außentemperatur schon recht witzig, aber es hat auf jeden Fall für gute Laune gesorgt. Da so spät die Rezeption unseres Hostels nicht mehr besetzt war wurden die Schlüssel für unser Zimmer einfach auf der Theke bereitgelegt und wir konnten schnell unser Zimmer beziehen. Wir hatten einen 6er Raum gebucht und hatten diesen in der erste Nacht komplett für uns alleine und dazu noch ein riesen Bad mit Handtüchern auch nur für uns. Da wir am nächsten Tag viel vor hatten und früh raus wollten sind wir dann auch direkt schlafen gegangen.

Da das Crossing kein Rundweg sondern eine One-way Wanderung ist, am Startpunkt eine Höchstparkdauer von 4 Stunden gegeben und man für die Wanderung 6-8 Stunden braucht muss man sich überlegen, wie man von seiner Unterkunft zum Startpunkt und später wieder zurück kommt. Entweder hat man einen privaten Shuttleservice, wenn einer aus der Gruppe die Tour nicht mitmacht, der dann zu beliebigen Zeiten zum Start- und Endpunkt fahren kann oder man bucht einen der vielen Shuttle vor Ort.

Da wit alle die Tour gemacht haben mussten wir einen Shuttle vor Ort buchen. Praktischerweise befand sich eine Haltestelle direkt vor unserem Hostel und wir konnten den Shuttle auch über das Hostel buchen. Das hatten wie auch noch am Vorabend während der Fahrt versucht, jedoch keine Antwort oder Bestätigung vom Hostel erhalten. Da die Rezeption erst um 8:30 Uhr öffnete, wir aber schon den Shuttle um 8:00 Uhr nehmen wollte haben wir trotzdem den Wecker für 7:00 Uhr gestellt. Wir haben uns fertig gemacht, gefrühstückt und unsere Rucksäcke mit genug Verpflegung (Möhren, Äpfel, Bananen, Sandwiches, Müsliriegel, Nüssen und 2,5 Litern Wasser) und Klamotten gepackt und standen dann um 8:00 an der Bushaltestelle bereit.

Im Shuttle gab es dann erstmal Komplikationen, da wir natürlich nicht auf der Liste standen und keine Bestätigung hatten. Wir haben dem Fahrer aber unsere Situation erklärt und er hat und dann netterweise trotzdem mitgenommen. Später haben wir dann die Bestätigung vom Hostel bekommen, dass wir auf den Shuttle für 9:00 Uhr gebucht waren, da waren wir aber längst schon unterwegs und hatten die ersten Kilometer hinter uns.

Unser Shuttle Fahrer hat uns vor dem Start darauf hingewiesen, dass für den Nachmittag Regen, Hagel und Sturm gemeldet war. Bei dem strahlendem Sonnenschein, mit dem wir losgelaufen sind, kaum zu glauben. Bis zum Mittag hatten wir extrem gute Sicht auf die Berge und Ebenen.

Zu Beginn der Wanderung sind wir in einer großen Gruppe gelaufen, die alle gleichzeitig mit uns ankamen und losliefen. In einer langen Schlange ging es dann los. Je weiter wir liefen desto mehr verstreute sich auch die große Anfangsgruppe, sodass wir später nur noch in unserer 4 Gruppe unterwegs waren. So konnten wir unser eigenes Tempo laufen und mussten und nicht an die Schrittlängen und -geschwindigkeiten anderer anpassen. Trotzdem hatten wir immer die gleichen Menschen vor und hinter uns und wir haben uns dann gegenseitig immer wieder beim Pausen machen überholt.

Die ersten paar Kilometer gingen noch „easy-peasy“ – babyeinfach, bis es dann mit Stufen bergauf ging und wir doch in Schwitzen gerieten und immer wieder kleine Pausen machen mussten.

Zur Be(un)ruhigung standen immer wieder auf dem Weg Schilder mit Infos zu dem Track und den Nationalpark aber auch Warnungen vor plötzlichen Wetterumschwüngen, Sichtproblemen und körperlichen Grenzen. Da das Wetter aber weiterhin sehr gut war und wir noch keine unnormalen körperlichen Beschwerden hatten ging es weiter nach oben. Je höher wir dabei kamen desto karger wurde die Landschaft. Dort oben wurden übrigens auch, wie gefühlt überall in Neuseeland, Teile der Herr der Ringe Reihe gedreht.

Nach dem ersten Aufstieg und insgesamt ca. 7 km ging es dann zum ersten Mal nicht mehr nur hoch sondern flach weiter, was für sämtliche Muskeln im Körper eine Entspannung war. Die war aber auch nötig vor dem nächsten und wohl anstrengendsten Anstieg zum höchsten Punkt der Wanderung, denn es galt noch einige Höhenmeter bis dorthin zurückzulegen. Der Weg dorthin war allerdings mehr Geröll und Steine als ein vernünftiger Weg, sodass wir teilweise Klettern mussten.

Endlich am Gipfel angekommen hatten wir aber eine fantastische Aussicht: Hinter uns die Ebene und der Aufstieg, den wir grade bewältigt hatten, rechts der Red Crater, vor uns die grünen Emerald Lakes und in der Ferne der Blue Lake. Dazu kam dann noch der Schwefelgeruch, der natürlich auch hier nicht fehlen durfte. Oben am Gipfel hat man ca. die Hälfte der Zeit um aber wir entschieden und unsere Mittagspause am Blue Lake zu machen, der noch etwa eine Stunde entfernt war.

Zuerst kam aber noch der Abstieg zu den Emerald Lakes, der mehr einer Rutschpartie ähnelte als wirklichem Laufen, denn auch dieser bestand nur aus Steinen, Geröll und ganz viel unbefestigter Erde. Am einfachsten ist es dort runterzukommen in dem man wie beim Skifahren Zickzack springt. Das war aber leider nicht so unbedingt möglich, da wir mit vielen anderen Menschen in einer Schlange den Berg runter sind. Trotzdem sind wir nachher alle heile unten angekommen und konnten weiter zum Blue Lake. Unterwegs kamen wir dann noch bei einem Schneefeld vorbei, was in der Landschaft etwas fehl am Platz aussah.

Am Blue Lake hatten wir dann die Hälfte der Strecke und 2/3 der Zeit hinter uns und wir entschieden uns dort unsere wohlverdiente Mittagspause zu machen. Während der 30 minütigen Pause wurde das Wetter aber nach und nach schlechter und es zogen die angekündigten Regenwolken auf.

Nach der Pause erwartete uns noch ein kurzer Aufstieg bevor es dann nur noch bergab gehen sollte. Der Abstieg war landschaftlich komplett anders als der Aufstieg. Während der Aufstieg meistens wie eine Mondlandschaft aussah und von Erde, Sand und Felsen geprägt wurde führte der Abstieg durch sogenanntes sensitives alpines Gebiet, welches im Vergleich ziemlich grün war.

Während des gesamten Abstiegs konnte man ungefähr den Endpunkt des Wegs ausmachen, welcher sich am Ende eines Waldstückes befand. Bis dahin hatten wir aber noch ein paar Kilometer und 2,5 Stunden Wanderung vor uns. Leider kam während des Abstiegs auch der Angekündigte Regen und Hagel. Zuerst hats nur eine halbe Stunde etwas gefisselt bevor es dann die nächsten 1,5 Stunden komplett stark durchgeregnet hat. Das einzig positive an dem Wetter war, dass es nicht auch noch extrem windig war. Aber auch das hat die Situation nicht wirklich besser gemacht und wir waren nach wenigen Minuten bis auf die Unterwäsche nass waren und kleine Pfützen in unseren Schuhen hatten. Angenehm war das nicht und die Aussicht beim Abstieg konnten wir auch nicht wirklich genießen aber immerhin waren wir auf dem besten Weg nach unten und nicht erst auf dem Weg rauf.

Als wir dann in dem Wald kamen, der uns vor dem schlimmsten Regen hätte schützen können, hat es natürlich aufgehört und die Sonne kam noch raus. Davon haben wir durch die schattigen Bäume aber auch nicht viel abbekommen. Nach knapp 7,5 Stunden Wanderung sind wir dann gegen 16:00 Uhr am Endpunkt angekommen und waren alle nur noch extrem froh, dass wir es geschafft hatten und genau in dem Moment einer unserer Shuttel abfuhr, der sogar noch Platz für uns 4 hatte.

Am Hostel angekommen haben wir erstmal alle geduscht und trockene Klamotten angezogen bevor wir dann noch Karten gespielt haben. Wir haben den Schwedinnen Mau Mau beigebracht und sie haben uns ein schwedisches Kartenspiel gezeigt, welches ich aber leider schon wieder vergessen habe. Da wir alle ziemlich platt waren haben wir früh gekocht und gegessen und anschließend nicht mehr viel gemacht außer früh schlafen zu gehen.

Am nächsten Morgen bin ich tatsächlich davon aufgewacht, dass mein Rücken weh tat. Ich weiß nicht ob das Hostelbett oder mein schwerer Rucksack am Vortag daran schuld war oder eine Kombi aus beidem. Ich konnte auf jeden Fall nicht mehr einschlafen und habe die 2 Stunden bevor die anderen Alle wach waren mit Filme gucken verbracht. Als alle wach waren haben wir unsere Sachen gepackt und dann gemütlich gefrühstückt bevor wir uns um 10:00 Uhr auf den Rückweg gemacht haben. Da wir alle etwas fertig waren und möglichst schnell nach Hause wollten haben wir uns gegen einen Umweg über Taupo entschieden und wollten stattdessen eine Eispause vor Auckland machen.

Unseren ersten Stop machten wir aber etwa auf halber Strecke in Huntly um auf Klo zu gehen. Nach der Pause hatten wir auf einmal einen furchtbaren Gestank im Auto und die Batterieanzeige leuchtete auf. Kein gutes Zeichen dachten wir alle und sind direkt wieder an den Rand gefahren. Beim öffnen der Motorhaube haben wir entdeckt, dass eins der Kabel lose bzw. gerissen war. Nun ja, keiner von uns 4 hatte irgendeine Ahnung von Autos und ihrer Technik aber zum Glück konnte Dr. Google uns helfen und aufklären, dass es sich dabei um den Keilriemen handelte. Mit dem Wissen konnten wir dann selber trotzdem nichts anfangen aber immerhin konnten wir der Familie, der das Auto gehörte, erklären was passiert war um abzuklären, was wir machen sollten. Leider hat es ein ganzes Weilchen gedauert bis wie die Familie erreicht haben und in der Zwischenzeit hatten schon Leute angehalten die anboten uns zu helfen, sodass wir zumindest das Auto bis nach Auckland hätten fahren können. Die Hosteltern unserer Fahrerin meinten aber, dass wir lieber den AA, also den neuseeländischen ADAC, rufen sollten.

Praktischerweise hat meine Family für mich eine AA Mitgliedschaft abgeschlossen, welche auch beinhaltet, dass man 2 Mal im Jahr kostenlos abgeschleppt wird. Da die Versicherung Personen und nicht Autobezogen ist, ist es auch egal, in welchem Auto man unterwegs ist und ob man Fahrer oder Beifahrer ist. Da konnten wir dann also gebrauch von machen und mussten uns nicht darum sorgen, dass wir später alle noch die hohen Kosten für einen Abschleppdienst bezahlen müssen.

Unser nächstes Problem war dann, dass an einem Sonntag nicht jeder Abschleppdienst verfügbar und vor Allem welche mit Platz fürs Auto und 4 Passagiere nicht so leicht zu bekommen waren. Um den Abschleppwagen hat sich zwar der AA gekümmert aber für den Fall, dass nicht alle mitkommen könnten, müssten wir uns um eine Alternative für diese kümmern. Wir hatten dann sogar schon eine Inter City Busverbindung gefunden, die von Huntly aus nach Auckland gefahren wäre, als wir erfuhren, dass wir doch alle im Abschleppwagen mitfahren könnten. Dieser traf dann auch 2,5 Stunden nach unserem Unfall ein und hat unser Auto und uns eingeladen.

Unser Eisstop musste dann leider ausfallen, aber immerhin sind wir alle wieder heile in Auckland angekommen. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass die Klimaanlage für den Bruch des Keilriemens verantwortlich war. 3 Stunden später als eigentlich geplant bin ich dann zuhause angekommen und wurde von 3 Jungs begrüßt, die dabei waren Adventskalender zu basteln und den Weihnachtsbaum zu schmücken. In Neuseeland werden Weihnachtsbäume tatsächlich meistens schon am 1. Dezemberwochenende aufgestellt aber so hat man wenigstens was davon, auch wenn sie dann Weihnachten selber schon ein bisschen trocken aussehen.

Machts gut, bleibt gesund und passt auf euch auf!

Eure Ann-Ka

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